Trainingsweltmeister

Das Symptom: Trainingsweltmeister

Wenn der Körper plötzlich streikt

Da stehst du jetzt und bist gefordert. Auf dem Feld. Eingewechselt. Wenn du nur könntest, wie du wolltest. Diese Lähmung im Spiel, diese Angst im Kopf.

„Hoffentlich bin ich jetzt nicht gefragt. Hoffentlich spielt mich niemand an.“

Aber das stimmt nicht! Natürlich wird dich jemand anspielen, natürlich bist du gefragt.

Du bist Teil des Teams.

Du bist wichtig.

Du bist gut, in dem was du tust, sonst würdest du jetzt nicht hier stehen. Du musst spielen! Für dich! Für das Team! Für die Zuschauer!

Aber du kannst es einfach nicht. Denn du hast Angst. Und jetzt soll bloß keiner um die Ecke kommen und fragen warum! Oder dir auf die Schulter klopfen, „Du kannst das doch!“ sagen. Das will ich auch gar nicht. Denn ich weiß genau, was du gerade durch machst.

Wenn der Körper plötzlich streikt, liegt die Ursache meistens im Kopf. In der Sportpsychologie sprechen wir vom sogenannten Trainingsweltmeister. Also einem, der im Training richtig gut, vielleicht sogar der Beste ist – aber dann im Wettkampf nur einen Bruchteil abrufen kann. Dem gegenüber steht der Wettkampftyp. Aber was macht der anders?

 

Der Ball ist rund…oder doch nicht?

Es sind oft ganz banale Dinge. Alles läuft gut, du hast den Ball unter Kontrolle und den Gegner schon in der Tasche…und dann kommen plötzlich diese Gedanken: „Was passiert wenn ich einen Fehler mache?“ – und auf einmal wendet sich das Blatt. Zu diesen Selbstzweifeln kommen schnell die Befürchtungen: „Was denken die anderen?“ hinzu.

Plötzlich ist der Ball alles andere als rund, überall gegnerische Spieler und das Tor so groß wie eine Streichholzschachtel.

Schaffst du es dir zusätzlich DIE Killer-Frage zu stellen: „Warum mache ich das hier eigentlich?“

Dann ist dein Schicksal wahrhaft besiegelt!

 

Was passiert da eigentlich?

In der Fachsprache bezeichnen wir das als mangelnde Kompetenzüberzeugung oder Misserfolgszuversicht. Dein Körper übersetzt die negativen Gedanken in entsprechende Gefühle: Angst, Nervosität, Unsicherheit und was dir sonst noch hilft, deine Leistung zu blockieren. Das Ganze geschieht übrigens blitzschnell und in Echtzeit.

Anschließend packt deine Feinmotorik ein, die Aufmerksamkeit geht flöten und du bist wie gedämpft. Dein Körper bemüht sich jetzt mit aller Konsequenz, die negativen Vorstellungen nach außen zu transportieren und real werden zu lassen.

Die Anderen – Familie, Freunde, Mitspieler, Trainer – sehen das jetzt auch: An deiner Körpersprache, deinem Verhalten, deinen Fehlern.

 

Was macht den Unterschied?

Achtung: „Jetzt zählt es! Du musst es schaffen! Du hast nur diesen Versuch!“

An- und Aufforderungen wie diese sind es, die dich überfordern, vom Weltmeister zum Trainingsweltmeister schrumpfen lassen. Du gleichst die Erwartungen direkt mit bestehenden Erfahrungen ab und erzeugst dabei eine blockierende Überbewertung der Anforderungen, bei gleichzeitiger Unterbewertung deiner Fähigkeiten.

 

Was ist die Lösung?

An dieser Stelle höre ich oft: „Du musst ganz einfach die Bewertung verändern. So, dass du statt von Selbstzweifeln geplagt, mental stark und zuversichtlich aufs Spielfeld gehen kannst.“

Hakuna Matata!

 

Aber ist es wirklich so einfach?

Denn was hier oft vernachlässigt wird, ist, dass dein Unterbewusstsein viel stärker ist, als ein paar bewusste Sätze. Die Auslöser deiner mentalen Blockade sitzen tiefer, als ein bewusster Gedanke auf die Schnelle vordringen könnte. Das ist, als ob du erwarten würdest, Red Bull verleihe wirklich Flügel.

 

Entscheide dich

Falls du dich in diesen Zeilen wiederfindest ist das kein Grund zu verzweifeln, im Gegenteil:

Es besteht Hoffnung, mehr als das. Denn du bist nicht der erste und auch nicht der letzte Trainingsweltmeister auf diesem Planeten, glaub mir. Das Spiel ist noch lange nicht abgepfiffen!

Ich bin sicher, dass du ein Mensch mit unglaublich viel Potenzial bist. Du hast nur noch nicht den richtigen Weg gefunden, um es zu entfalten.

Wie so oft im Leben beginnt die Lösung mit einer bewussten und handfesten Entscheidung zu handeln – etwas zu verändern und eine neue Strategie auszuprobieren. Das Training alleine macht keinen Weltmeister aus dir, lässt dich nicht in der Bundesliga spielen oder deine Träume wahr werden.

Denn genau da, wo deine Träume herkommen, musst du sie auch realisieren. Im Kopf fängt alles an deine Realität genauso wie deine Vorstellung davon.

 

Wie packen wir’s an?

Eine Veränderung braucht Zeit und die richtigen Schritte. Um dich vom Trainingsweltmeister zum Weltmeister zu entwickeln sind in der Sportpsychologie die Selbstgesprächsregulation und das Prognosetraining die Mittel der Wahl.

Selbstgesprächsregulation bedeutet, sich mit seinen Gedanken auseinanderzusetzen und Gegendialoge zu entwickeln. Diese musst du bewusst und so lange einüben, bis sie komplett verinnerlicht sind. Was dir hier oft nicht gesagt wird, dass das bei täglicher Anwendung 4 – 8! Wochen dauern kann (Und ja, es gibt Coaching Techniken mit denen dieser Vorgang deutlich beschleunigt und verstärkt werden kann. Sprich mich gerne an, wenn du dazu mehr wissen möchtest.).

Das Ziel des Prognosetrainings hingegen ist die schrittweise Entwicklung von Wettkampfhärte. Wir machen uns dabei unsere Fähigkeit zu Nutze, auf Anforderung graduell, sprich angepasst, reagieren zu können.

Anders gesagt: Wir zerlegen das emotionale Drehmoment des Ereignisses: „großes wichtiges Spiel – ich fall gleich tot um“ in kleinere gut verdaubare Bausteine, wie: „etwas wichtiger als normal – das schaffe ich gerade noch“. Dadurch kann deine Selbstwirksamkeit stufenweise mitwachsen.

Dazu ist ein Fokuswechsel hilfreich: weniger Ergebnisorientierung, mehr Handlungsorientierung. Das bedeutet: nutze alles, was dir hilft, um deinen Fokus im Hier und Jetzt zu halten, bei dir zu bleiben und bei dem was du gerade tust.

 

„If you feel like quitting, remember why you’ve started!“

„Wenn du aufgeben möchtest, erinnere dich, warum du angefangen hast.“ Diese alte Sportweisheit ist der letzte Ratschlag, den ich dir mitgeben möchte.

Komme wieder mehr in die Freude, ins Spielen und die Leichtigkeit. Dann verbessern sich automatisch deine Leistungen. Finde wieder mehr Spaß an deiner Entwicklung. Wertschätze jeden kleinen Schritt nach vorne und sehe dich selbst auf einem Weg, den du beschreitest.

Jeder Entwicklungsschritt ist ein Schritt nach vorne, hin zu deinem Ziel: Ich bin ein Champion.

 

Werde die beste Version deiner selbst!

 

Dein Bass

 

PS: Mein persönlicher Haftungsausschluss in den Worten von Art Williams: „Ich sage Dir nicht, dass es leicht wird. Ich sage Dir, dass es sich lohnen wird.“

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